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Schwäb. Albverein e.V.

Ortsgruppe Ludwigsburg
Peter Mugele

 

Telefon: 07141 - 925152
Goethestraße 6
71638 Ludwigsburg 

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"Natur - Kultur" im Schwarzwald

Bei graubewölktem Himmel und heftigem Wind trafen sich am Sonntag 11.Mai 2014 am Bahnhof Ludwigsburg 20 Wanderfreunde zu einer Wanderung in den Schwarzwald. Die Umgebung von Loßburg-Rodt, nahe Freudenstadt, der Kinzig-Ursprung und der Flößerweg hin nach Alpirsbach war das Tagesziel. Die Eisenbahnfahrt führte von der schwäbischen Landschaft hinein in das Schwarzwaldvorland, das durch weite jetzt blühenden Wiesenflächen und Waldlandschaft mit überblickbaren kleinen Ortschaften geprägt ist. Am Bahnhof Loßburg-Rodt angekommen wurde die Gruppe bereits von Wanderführer Dietmar Kilgus erwartet und herzlich begrüßt. Er hat den Wandertag vorbereitet und hat dazu  noch Herrn Horst Bengel, Vorsitzender der Schwarzwaldvereins-Ortsgruppe Loßburg-Rodt und versierter Kenner der Natur und Kultur der Umgebung, mitgebracht. Er wird den ersten Teil des Wandertags übernehmen.

Zunächst geht es hinauf der "Gelben-Raute" entlang zum sogenannten "Vogteiturm" 739m ü.M. und der zum 100. Jubiläum im Jahr 2002 von der Ortsgruppe errichtet worden  ist. Er ist frei zugänglich und man hätte  oben  einen herrlichen Ausblick in die Landschaft. Noch ist am Horizont  die Schwäbísche Alb auszumachen, aber  leider hat es begonnen heftig zu regnen, alles ist grau in grau geworden und kalter Wind hält uns ab den eisernen Turm mit zig Stufen  zu besteigen. So berichtet Herr Bengel unten  über die Geschichte von Loßburg-Rodt, wobei ziemlich sicher der Ortsteil Rodt, 1319 erwähnt, älter ist als Loßburg.

 

Ganz  in der Nähe steht in wunderbar umgebender Landschaft mit Wiesen und nahem Wald das von Kaufmann Kommerzienrat Eduard Breuniger, erstellte Erholungshaus für seine Mitarbeiter. Sie konnten hier Ferien machen, um dann  mit neuer Kraft wieder ihrer Arbeit nachgehen zu können. Das stattliche Anwesen hat eine reichhaltige Geschichte hinter sich, steht jetzt leer und kann für zig Euro gekauft  werden. Bei der Turmanlage ist in der Nähe  auch  ein Gedenkstein für den im 1. Weltkrieg mit einem Flugzeug abgestürzten Bruder von Herr Breuninger aufgerichtet. Der Regen hat nachgelassen, das Wetter heitert sich auf, schnell weg mit den Regenutensilien! Wir wandern jetzt auf kurzer Strecke entlang dem Breuniger-Weg und zweigen im Wald ab, der "Gelben Raute"  entlang, hinab zur Kinzig-Quelle. Am Weg sind viele Hinweistafeln eines Waldlehrpfades angebracht. Immer hat Herr Bengel aus seinem reichhaltigen Wissen über Wald und Natur etwas zu berichten, erklärt die verschiedenen Baumarten und die Pflanzenwelt. Lustig der Hinweis auf den Kiefernbaumstamm der in der Mitte einen Wulst aufweist und so in Ober- und Unterkiefer unterteilt wird.

Immer bergab geht der breite Waldweg über in einen schmalen Steig. Romantisch schlängelt sich der Pfad,  immer wieder kleine Bäche querend, durch den Wald. Wir staunen über den kerzengerad gewachsenen starken Baumbestand. Durch frisches Baumgrün bricht die Sonne. Dann machen wir bei einer Hütte, dem Hexenhaus, Vesper-Rast. Beim Weitergehen sind wir bald an der Kinzig-Quelle. Das aus der Erde kommende frische klare Wasser ist in einem schönen Sandsteinbecken gefasst und lädt zum Trinken ein. Von dort beginnt die 93 km lange Reise der Kinzig  durch den Mittleren Schwarzwald und die Oberrheinische Tiefebene bis nach  Kehl und dann  in den Rhein. Die Kinzig ist die Grenze zu Nord-und  Südschwarzwald, hat mit seinen Nebenflüssen das größte Talsystem im Schwarzwald geschaffen und hatte  große Bedeutung für die Flößerei welche 1339 begann. Ihre Blütezeit hatte  die Flößerei im 15. und 16. und dann  nochmals im 18. Jahrhundert. Sie hat der Region über 600 Jahre Arbeit und Brot verschafft. Schon die Römer  hatten eine Militärstraße von Offenburg  aus durch das Kinzigtal nach  Rottweil und Tuttlingen errichtet. Heute  hat die Eisenbahn und der Autoverkehr  das Tal erobert.

Wir wandern weiter und kommen  auf schön angelegten Wegen ins Zauber-und Märchenland. Am Weg ist immer wieder in aufklappbaren Holzbüchern die Möglichkeit gegeben ein Märchen nachzulesen. Für Kinder ein unterhaltsamer erlebnisreicher Pfad der an einem großen hochgelegenen Baumhaus, das mit einer Strickleiter erstiegen werden kann,  endet. Aus dem Wald kommend tauchen erste Häuser auf. In großem Bogen  haben wir wieder den Stadtrand von Loßburg  erreicht. Die noch kleine Kinzig ist inzwischen in eine so genannte Teuchelrinne - eine in Holzbalken gefasste Rinne - geleitet worden, welche später in  kleinem Wasserfall über Steinblöcke in eine steinerne Wasserschnecke weiter in ein tiefer liegendes Bachbett fließt. Über einen neu angelegten Baumlehrpfad gehen wir weiter. Danach müssen wir Herr Bengel verabschieden., der in Loßburg  beheimatet ist. Ein herzliches Danke  für seine wunderbar interessante, reichhaltige und beredsame Unterrichtung über Land und Leute.

 

Nun hat Wanderführer Kilgus das Sagen, denn  wir sind am Beginn des "Flößerwegs" entlang der Kinzig in Richtung  Alpirsbach. Die "Blaue-Raute" ist jetzt Wegweiser. Eine wunderschöne Wanderstrecke liegt vor uns. Bergab, entlang der tief eingeschnittenen Kinzig, inzwischen mit viel Wasser und  kleinen Wasserfällen, kommen  wir an eine Wasserstelle wo früher das Wasser angestaut wurde, um dann  durch das Öffnen der Schleuse die Hölzer zu Tal und hinaus ins Land zu bringen. Dietmar Kilgus erklärt uns interessant wie dies alles von statten ging. Wir kommen  weiter ins Tal. Der Blick öffnet sich zu grünen blühenden Wiesen wo einstviele Mühlen im Kinzigtal klapperten. Allerorten werden auch  noch blühende Apfelbäume bemerkt. Schöne alte Bauernhöfe liegen verstreut inmitten der Landschaft. Z.B. der Juntleshof oder der Metzgersbauernhof. Am Talweg immer Mitteilungen und Hinweise über ehemalige Mühlen.  Am Weg auch  eine Darstellung eines Floßes. Wie sind die Stämme miteinander verbunden, wo ist hinten und vorne, wie wurde gesteuert und gebremst? Fragen über Fragen und Dietmar gibt ausführlich Bescheid und man staunt wie alles hergestellt und bewerkstelligt wurde.  Weiter öffnert sich das Tal in die sonnige Wiesen-und Waldlandschaft. Am Weg jetzt immer wieder auf bunten Tafeln und schön für Kinder die Mitmachgeschichte von Felix und seinem Hut. Die Geschichte wurde von Werner  Schwenk verfasst, Bürgermeister in Ehlenbogen, der in jungen Jahren auf der Walz war und die Geschichte von seinem breiten Hut erzählt welcher bei stürmischem Unwetter  vom Kopf geweht wurde und in einem Bach landete.

Wir kommen  am Ort Ehlenbogen vorbei und dann  weiter zum "Vogtsmichelhof" der auf einer Anhöhe  inmitten von Wiesen und Wald steht. Ein schöner Gasthof, ein stattliches Anwesen. Hier ist unsere Einkehr und alle lassen sich das reichhalige Essen je nach Wunsch schmecken. Ob wir dann später weiter nach  Alpirsbach wandern wird von einem heftigen  Regenguss beantwortet - also nein - und so bleibt auch  Zeit dem Wanderführer Dietmar Kilgus für den herrlichen Wandertag herzlich zu danken. Wandern in Natur und Kultur wurde vorzüglich geboten und erlebt. Es war ein wunderbarer Tag, wenn auch  am Anfang und Ende nass. Wir aber  kommen  trocken  zur Bushaltestelle und weiter nach  Loßburg zurück und es bleibt auch  noch Gelegenheit das dortige Heimatmuseum zu besuchen. Dann machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof.  Dort aber  müssen wir viel Geduld aufbringen. Letztlich 45 Minuten Zugverspätung wegen Betriebsstörung (Sturmschäden) wird angezeigt. Unsere Anschlusszüge sind weg. Zum Glück ist das Wetter wieder einigermaßen sonnig, aber windig. Dann endlich, einsteigen, Türen schließen, ab nach  Freudenstadt. Dort wieder Warten,  dann  weiter nach  Eutingen. Unterwegs herzliches Lachen: Ein Vater und Sohn  denken nach  wie sie heimkommen. Ist eine Übernachtung angesagt? Kommt der Junge zur Schule oder muss Papa wegen einer Betriebsstörung eine Entschuldigung schreiben? Später wie vorgesehen, erreichen wir dann  Stuttgart  und Ludwigsburg. Sind aber trotz den Bahnwidrigkeiten froh und dankbar, daß  wir einen wunderbaren Wandertag hatten. Dank an Christa Mugele, Thomas Bucic und Hans Stöhr welche uns während des Tages und den Umsteigebahnhöfen auf dem Heimweg fürsorglich begleitet haben.

Text und Bilder : Wolfgang Staudenmayer