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Durch das Tal der Murr

Rückblick auf die Wanderung vom 6.1.2015 „Durch das Tal der Murr“

Ein sonnig kalter Wintertag versprach ein wunderschöner Wandersonntag zu werden. Nahezu 30 Leute hatten sich eingefunden, viele gute Wünsche zum Neuen Jahr wurden ausgesprochen und dann ging’s mit Hans Stöhr und Ekkehard Pilz nach Backnang. Vom Bahnhof wanderten wir hinab ins mittelalterliche Fachwerkstädtchen. Mächtig ragte das Wahrzeichen der Stadt, der Turm der ehemaligen Michaelskirche, über uns auf, gleich daneben die Stiftskirche St. Pancratius – ein imposanter Anblick. Von irgendwo her erklang plötzlich ein Bläserchoral. Wo kam das nur her? Ah, dort oben auf der Galerie des Stadtturms begrüßte eine Bläsergruppe den Sonntag mit festlicher Musik. Wir klatschten begeistert Beifall und ernteten ein freundliches Winken aus der Höhe – was für ein schöner Auftakt zu einem Wandertag! „Hast Du das extra für uns bestellt, Hans?“ – „Aber klar doch!“

Jetzt aber weiter, es war kalt und manche Füße wollten schon zu Eiszapfen werden. Am wunderschönen Rathaus und am Gänsebrunnen vorbei ging es hinab an die Murr. Backnang liegt hineingeschmiegt in eine enge Schleife des Flüsschens. Der Blick schweifte hinauf zur Altstadt mit ihrer eindrucksvollen Silhouette. Hier muss es herrlich sein im Sommer.

Hans wollte uns noch die Fußgängerzone zeigen, also wieder ein Stückchen zurück in die Stadt. Ein kleiner Laden liegt neben dem anderen – hier müsste ein Einkaufsbummel Spaß machen. Ja und die Geschichte vom Gänsebrunnen muss auch noch erzählt werden: Der Brunnen erinnert an den sog. „Gänsekrieg“ Anfang des 17. Jahrhunderts. In der Altstadt wurden damals von der ärmeren Bevölkerung Gänse gehalten, die machten aber Dreck und richteten Schäden auf den Feldern an. Kurzerhand wurde die Haltung von der Obrigkeit verboten. Dagegen wehrten sich vor allem die Frauen, denn sie brauchten die Tiere als Zubrot für die Ernährung der Familie. Nach mehreren Jahren Streit und mit Hilfe von Herzog Johann Friedrich setzten sich die Frauen durch und die Gänsehaltung wurde wieder erlaubt – ein frühes Beispiel von „Frauenpower“!

Interessant auch der Chelmsford-Platz, benannt nach der englischen Partnerstadt. Zum zehnjährigen Bestehen der Partnerschaft erhielten die Backnanger eine original englische Telefonzelle und einen leuchtend roten Briefkasten als Geschenk. „Kann mr do eigentlich au Poscht neischmeißa?“. Wohl eher nicht!

Über die Aspacher Brücke wanderten wir weiter auf dem Radweg, der immer an der Murr entlang führt. Das Wasser des Flusses bildete jahrhundertelang die Grundlage für das Handwerk der Tuchmacher und Gerber von Backnang. Am steilen Prallhang über dem Fluss zogen sich malerische Felsbänder entlang. Weiter unter der riesigen Brücke der Bundesstraße B 14 hindurch und schließlich der Aufstieg nach Burgstetten. Wir machten eine kleine Apfelpause in der Sonne, da meinte jemand aus dem Hintergrund: „Übrigens, die Kirche da drüben ist offen und daneben gibt es eine Ausstellung“. Wir waren schneidig gelaufen und hatten dadurch eine halbe Stunde „Verbaldigung“. Die könnten wir doch nutzen, sonst sind wir zu früh in der Wirtschaft! Gesagt, getan. Ein Blick in die kleine Laurentiuskirche und dann zur Ausstellung in die sanierte Pfarr- und Zehntscheuer, die als Heimatmuseum genutzt wird. Am Dreikönigstag gab es eine Sonderausstellung zur Medizin in früheren Zeiten. Da stand ein Zahnarztbohrer, der mit einem Fußpedal angetrieben wurde wie eine Nähmaschine – die armen Patienten! Viele chirurgische Instrumente waren zu sehen, die uns heute sehr abenteuerlich anmuten, alte Diakonissen-Trachten, Rollstühle …  Es war ein spannendes Intermezzo auf unserer Wanderung.

Jetzt stand die nächste Etappe an: Wieder hinab zur Murr, die uns den ganzen Tag immer wieder begegnete, und ein erneuter Aufstieg nach Burgstall. Ganz allmählich tauchten die ersten Häuser über uns auf. „Was glitzert denn da vorne?“ Es war die eigenartig geformte goldene Kirchturmzier der katholischen Kirche, die ganz langsam am Horizont auftauchte. Am höchsten Punkt bitte einmal umdrehen: Der Ausblick weit ins Land hinein belohnte die Mühen des Aufstiegs. Unsere Einkehr ist aber unten im Ort, also, wer hätt’s gedacht – wir wandern mal wieder hinab zur Murr und kehren ein in der „Traube“, die eine Pizzeria ist und köstliches Essen für uns bereithielt. Vorstand Peter Mugele war auch gekommen (vierfach bereift) und begrüßte die Teilnehmer im Neuen Wanderjahr. Er bedankte sich vor allem bei Hans Stöhr und Ekkehard Pilz, dass sie die Dreikönigswanderung von Günter König übernommen hatten, der z.Z. noch Rekonvaleszent ist. Auch Horst Rossel dankte im Namen aller Wanderer für die tolle Tour und das sonnige Wetter, das die Wanderführer bei Petrus bestellt hatten.

Schließlich waren alle Pizzen, Salatplatten und Rigatoni verspeist, der Chianti ausgetrunken – wir begaben uns auf den letzten Abschnitt der Wanderung Richtung Kirchberg, wo wir wieder in die S-Bahn einsteigen wollten. Und wo ging‘s lang? Natürlich wieder an der Murr, keine Frage, sie schlängelte sich hier gemütlich durch Wiesenauen. In Kirchberg hatten wir noch Zeit – was tun? Wir mussten uns warm halten: Also nochmal ein Aufstieg hinauf ins Städtchen zur Kirche. Leider reichte die Zeit nicht mehr für eine Besichtigung, aber wir gewannen einen sehr konkreten Eindruck von der Steillage des Städtchens, das 80 m über dem Fluss liegt. Schön aufgewärmt durch unsere Muskelarbeit erreichten wir den Bahnhof und fuhren Richtung Heimat. Es war in jeder Hinsicht ein prachtvoller Tag – vielen Dank, liebe Wanderführer und vielen Dank, lieber Günter, für diese Wanderidee!

Text: Christa Mugele