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Startseite > Rückblicke 2019 > 06.01.2019 Nagelmuseum Löchgau
Rückblick auf die Wanderung vom 06.01.2019

Besuch im Nagelmuseum

 

 

Der Sonntagmorgen begann mit Regen. Die ganze Nacht schon hatte es heftig geregnet. Trotzdem hatte sich eine Gruppe Albvereinler zur traditionellen Dreikönigs-Jahresauftaktswanderung an Bahnhof eingefunden. Großes Hallo mit herzlichen Neujahrswünschen und skeptischen Blicken zum Himmel: Würde es heute mal wieder „nur einmal regnen?“

 

Wir standen mit den Wanderführerinnen Ingrid Ollig und Christa Mugele am Gleis und warteten auf unseren Zug nach Walheim – und erlebten gleich eine Überraschung der unangenehmen Art. Eine Durchsage teilte uns mit, dass dieser Zug heute leider ausfallen würde. Große Diskussion: was jetzt? Warten auf den nächsten (eine halbe Stunde), mit der S-Bahn nach Bietigheim und von dort mit dem Bus weiter, aber fährt heute am Sonntag überhaupt einer nach Walheim? Die Wanderführerinnen beschlossen nach kurzer Beratung: wir warten auf den nächsten und nutzen die Zeit für die Begrüßungsrede und zur Klärung der Frage „was will ich heute bei der Einkehr essen?

 

Uns so starteten wir mit etwas Verspätung in Walheim. Zunächst ging es Stück am Baumbach entlang, dann durch ein Wohngebiet langsam hinauf bis der Aufstieg in Richtung Weinberge begann. Der Regen hörte allmählich auf und ein erster Ausblick nach Besigheim hinab tat sich auf – schön! Noch spektakulärer war die Aussicht dann von der neu errichteten „Weinkanzel“, einem Stahlgitter, das vom Berg gewissermaßen „in die Luft“ hinausragt. Enz und Neckar waren zu sehen, die malerische Altstadt von Besigheim, der Warthbergturm, das Ingersheimer Windrad…

 

Etwas zu früh kamen wir in Löchgau an. Bei kaltem Wetter wird einfach schneller gelaufen! Was jetzt? Eine gute halbe Stunde war noch Zeit bis zum Beginn der Führung im Nagelmuseum. Einige Teilnehmer entschieden für sich für Kaffeetrinken in der Alten Kelter, die anderen folgten den Hinweisschildern „historischer Rundgang“ und besuchten das Rathaus und den Marktplatz. Dabei stießen sie immer wieder auf die Skulpturen von Karl-Henning Seemann, der in Löchgau lebt: die Kreuzigungsgruppe vor der Kirche, die „Tauzieher“ und der „Weinskandal“ und die Treppenplastik im Bürgergarten.

 

Schließlich begann die Führung im Nagelmuseum mit Herrn Griesinger. Das Museum entstand aus der Geschichte der ehemaligen Röckerschen Nagelfabrik in Löchgau. Diese Fabrik war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Arbeitgeber im Ort. Was ist überhaupt der Unterschied zwischen einem Nagel und einem Drahtstift? Unsicheres Rätselraten mit nachfolgender Aufklärung: ein Nagel ist geschmiedet und hat Struktur, ein Drahtstift ist gleichmäßig rund, eben weil er aus einer Rolle Draht hergestellt wird.

 

Herr Griesinger zeigte uns zunächst ein Friedenskreuz, gefertigt aus Nägeln der Kathedrale von Coventry, die bei einem deutschen Bombengriff völlig zerstört wurde. „Als der Rauch sich gelegt hatte“ ging der damalige Pfarrer durch die Trümmer seiner Kirche und fand viele Nägel. Dabei entstand die Idee zu einem Kreuz aus einem langen und zwei kurzen Nägeln. Heute ist dieses Kreuz ein Symbol der Versöhnung.

 

Wir sahen Spiele aus Nägeln hergestellt, die „Gauß‘sche Verteilungskurve, Nagelplatten, die sanfte Musik ertönen ließen. Der älteste Nagel des Museums ist in Gießharz eingeschlossen und stammt aus einer römischen Siedlung im Norden Schottlands aus den Jahren ca. 20 n. Chr. Ehrfürchtig bestaunten wir dieses Stück. Riesige Eisenbahnschwellen-Nägel aus aller Welt lagerten in einer Vitrine, der schwerste davon mit einem Gewicht von 500 g! Medizinische Nägel, die in menschliche Knochen eingesetzt werden und kleine Kunstwerke aus Nägeln waren zu bestaunen.

 

Wir lernten den sog. „Notnagel“ der Feuerwehr kennen und einen modernen Sargnagel, der überhaupt nichts mehr mit der allgemeinen Vorstellung von einem Nagel gemein hat. Alte Schuhe und Stiefel zeugten von der jahrhundertealten Methode, Schuhsohlen mit Nägeln stabiler und haltbarer zu machen. Aus jüngerer Zeit waren nägelgespickte Handschuhe und Sportschuhe von Bobfahrer Felix Loch nebst Autogramm zu bestaunen und wer mutig war, durfte wie ein Fakir ein Nagelkissen ausprobieren. Tut wohl überhaupt nicht weh!

 

Zum Abschluss konnten wir im Maschinenraum eine echte noch funktionierende historische Maschine in Aktion erleben. Wir waren begeistert von all den Ausstellungsstücken und den Geschichten, die uns Herr Griesinger vorgeführt und erzählt hat. Nie hätten wir uns vorstellen können, dass das Nagelmuseum so viel zu bieten hat und wir bedankten uns herzlich für die kurzweiligen anderthalb Stunden.

 

Die Einkehr in der „Alten Kelter“, der wunderschön restaurierten und umgebauten ehemaligen Weinkelter von Löchgau, beendete diesen erlebnisreichen Kultur- und Wandersonntag.

 

Text:   Christa Mugele

Fotos: Gerda Potzel. Waltraut Mergenthaler