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Startseite > Rückblicke 2017 > 05.06.2017 Schwaikheim-Beutelsbach

Rückblick auf die Wanderung

„Von Schwaikheim nach Beutelsbach“

vom 5.6.2017

 

Das Dreigestirn der „Remstaler Köpfe“ – Korber Kopf, Hörnleskopf und Kleinheppacher Kopf – war das Ziel der Wanderung an diesem Sonntag. Mit den Wanderführern Hartmuth Kulinna und Christa Striffler fuhren wir nach Schwaikheim, wo uns Hartmuth den Ablauf der Tour genau erklärte: ca. 15 km Strecke und etliche Auf- und Abstiege würden auf uns zukommen. Gut, dass keine hochsommerlichen Temperaturen zu erwarten waren!

Die 150 m Aufstieg zum Korber Kopf (456 m) wurden flott bewerkstelligt und dann genossen wir, leicht durchgeschwitzt, den schönen Talblick hinunter nach Schwaikheim und Waiblingen. Schautafeln am Wegrand erläuterten die geologischen Besonderheiten der Gegend. Durch Erosion einzelner Gesteinsschichten ist die Stufenbildung im Landschaftsbild entstanden. Es entspann sich ein interessantes Gespräch zum Thema „was ist eigentlich Stubensandstein? Warum heißt der so? Wie hat man den verwendet?“ Ja, der Wohnungsputz war vor der Erfindung des Staubsaugers bedeutend mühsamer.

Wir freuten uns besonders an den üppig blühenden Wildblumen, die am sonnenwarmen Hang über uns blühten: gelber und weißer Steinklee, taubenkröpfiges Leimkraut, Wiesenlabkraut, Karthäusernelken, Hornklee und immer wieder süß duftende Holunderbüsche. Es folgte ein kleiner Abstieg zum Hanweiler Sattel, wo viele Wanderwege zusammenlaufen. Ein steiler Stichweg führte uns hinauf zum Hörnleskopf. Eine kurze Trinkpause war angesagt, denn uns war wieder ordentlich warm geworden. Von einem mächtigen Baum baumelte eine Strickleiter herab. Großes Rätselraten: Soll da oben eine Art Hochsitz sein oder einfach ein Aussichtsplatz? Wie kommt man da überhaupt rauf, die hängt doch so weit oben? Birgit versuchte es unentwegt mit jugendlichem Elan, musste aber letztendlich aufgeben – schade!

Schließlich ging es weiter und wir ließen dieses zweite Highlight des Tages hinter uns, denn das dritte wartete schon: Auf dem Kleinheppacher Kopf eröffnete sich eine noch umfassendere Aussicht als zuvor. Leider war das Wetter recht dunstig (es nieselte immer wieder ein bisschen), aber auf einem Panoramastein konnten wir ablesen „was mr sehe dät, wenn mr was sehe dät“: Schorndorf, die Burg Teck, den Kernenturm, den Kappelberg, den Fernsehturm und die Solitude und darüber hinaus natürlich wieder ein Meer von Weinbergen.

Wir hielten ausgiebig Mittagsrast, denn es gab einen wunderschön angelegten großen Spielplatz mit Unterstand und Sitzgelegenheiten. Ein südlich-warmer Wiesenrain trennte den Platz vom Wanderweg und den nächsten Weinbergen. Und hier trauten wir unseren Augen kaum: da standen viele Feigenkakteen als seien wir auf Mallorca, einige davon schon kurz vor der Blüte! Ein ernsthafter Hinweis auf den Klimawandel? Schließlich waren wir uns jedoch einig, dass diese Exoten wohl von Menschenhand angepflanzt worden waren, aber sie schienen sich am Südhang sichtlich wohl zu fühlen. Noch ein merkwürdiges auffälliges Gewächs stand da in der Landschaft: eine Art Riesendistel, noch nicht in Blüte, mit sehr großen, grau-silbernen Blättern. Eine Artischocke, die vielleicht auch angepflanzt worden war? Oder eine „normale“ Distelart? Das Internet brachte Aufklärung: Es muss sich wohl um eine sog. „Eselsdistel“ handeln, die solche sonnigen Stellen bevorzugt.

Wir mochten uns kaum von diesem schönen Plätzchen trennen, aber wir hatten ja noch eine ordentliche Strecke vor uns bis zum Endziel Beutelsbach. Der Weg führte zunächst noch ein gutes Stück auf der Höhe weiter, direkt unter uns lagen Klein- und Großheppach, denn folgte der Abstieg durch die Weinberge nach Großheppach, das heute ein Stadtteil von Weinstadt ist. Über viele Abzweigungen und um viele Ecken rum (ich würde die Route im Leben nicht mehr finden) wanderten wir, nun doch schon ein wenig müde geworden, durch den Ort weiter nach Beutelsbach, dem bekannten Weinort. Das Stadtbild wird geprägt vom mächtigen Turm der Stiftskirche. An der Außenwand zeigte uns Hartmuth einige eigenartige senkrechte Schleifstellen. Das seien die Stellen, wo einst die Wallfahrer ihre Sandalen vor dem Kirchgang durch Rauf- und Runterziehen gereinigt hätten. Ungläubiges Staunen: „Echt? Ha, des kann doch schier net sei! Und wo kommen die kleinen runden Löcher in der Mauer her?“ Eine Teilnehmerin wusste es: „Da hend se ihre Stöckelschuh ausklopft!“

Nachdem das also geklärt war, nahmen wir den letzten Aufstieg zum vierten Highlight in Angriff, hinauf auf den Kappelberg, die Wiege des Württemberger Herrschergeschlechts ehe auf dem Wirtemberg eine neue Burg gebaut wurde. Hartmuth erzählte uns einiges aus der Geschichte. Bei Rebflurbereinigsungsarbeiten in den sechziger Jahren waren Ruinenreste entdeckt worden, die zum Teil wieder restauriert worden sind. Die Kapelle der Burg war Schauplatz des Bauernaufstands „Armer Konrad“ von 1514, bei dem verbündete Bauern und Bürger sich gegen ihre Unterdrückung und Ausbeutung auflehnten.

Müde, aber glücklich und hochzufrieden erreichten wir den Gasthof Löwen und stärkten uns mit warmen Speisen und kalten Getränken. Herzlichen Dank, lieber Hartmuth, dass Du uns eine so schöne Landschaft direkt vor unserer Haustür gezeigt hast und Danke an Christa, die mit für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hat. Es war ein wunderschöner Sonntag, der wohl auch manchen kleinen Muskelkater (ich weiß, wovon ich rede) beschert hat.

 

Text:  Christa Mugele

Fotos: Gerda Potzel